Elbdeichmarathon in Tangermünde

 

Tangermünde - nur wenige kennen diese beschauliche Kleinstadt in Sachsen-Anhalt. Mich verschlug es im Jahr 2002 zum ersten Mal dorthin, allerdings fiel dieser Kurzurlaub buchstäblich in´s Wasser, denn die Altmark war von einem katastrophalen Hochwasser betroffen. Ich erinnere mich noch sehr gut an den Gestank von verwesendem Fisch auf den Wiesen, die zahlreichen Sandsäcke und auch daran, dass viele Ortschaften gar nicht mit dem Auto erreichbar waren.

Jahre später geriet mir ein Flyer vom Tangermünder Elbdeichmarathon in die Hände, und ich beschloss, mir das Ganze erneut anzuschauen. 

 

Leider war die Vorbereitung auf den Marathon winter- und virusinfektbedingt nicht optimal, so dass sich in den Wochen vor dem Start eine große Unsicherheit breit machte. Ist es überhaupt sinnvoll, den Marathon zu laufen? Wie sehr würde ich mich quälen müssen? Kurzum: Ich fühlte mich katastrophal vorbereitet, und meine Motivation lag ziemlich am Boden. 

 

Da dennoch Neugier und auch Vorfreude auf das Laufen vorhanden waren, startete ich trotz des unsicheren Gefühls und sagte mir, dass das Ergebnis ja vollkommen egal sei. Ich wollte nur Spaß haben und laufend in der Landschaft versinken. 

Und dies ist mir gelungen. 

 

Die Strecke hat mir sehr gut gefallen: Vom Hafen aus ging es auf einem Zwei-Runden-Kurs erst in das "Landesinnere", durch 3 Ortschaften, und dann auf dem Deich an der Elbe entlang zurück in den Tangermünder Hafen.

Der Lauf bot sowohl Landschaftserlebnis als auch Partystimmung. In den Ortschaften gelang es den Zuschauern mit einem straßenfestähnlichen Aufgebot, die Läufer zu motivieren und auch auf der zweiten Runde noch zum Lächeln zu bringen. Außerhalb der Ortschaften war es hingegen sehr einsam, und das Laufen bekam fast schon einen meditativen Charakter: rechts und links nur Felder oder die Elblandschaft, durch die sich die Strecke schnurgerade über Kilometer hinschlängelte. Zudem gab es einige Störche und Kraniche zu sehen.

Leider war die Strecke im Landesinneren auch sehr windanfällig - hier hätte ich gern Gesellschaft zum Windschattenlaufen gehabt, doch diese bot sich nicht. 

Zum Ende der ersten Runde hatte die Einsamkeit meines Laufes allerdings ein Ende, denn es gesellten sich die Begleitfahrräder zu mir, die die erste Marathonfrau ankündigen sollten. Dies hat mich gewiss noch zusätzlich motiviert, denn... wer will schon Schwäche zeigen, wenn man ständig unter Beobachtung steht? 

 

Da ich dank meiner reduzierten Erwartungshaltung sehr locker gestartet war, fühlte ich mich fast den ganzen Lauf über sehr wohl, obwohl es auf der zweiten Runde schon sommerlich warm wurde. Der befürchtete Einbruch blieb aus, das Laufen tat nicht weh, und erst bei KM 37 meldete mir mein Kopf, dass er inzwischen genug vom Laufen habe und gern mal wieder etwas Anderes tun würde. Da ich wusste, dass Dame Nr. 2 weit genug hinter mir war, gönnte ich  mir auch ein gemütlicheres Laufen und genoss die Blicke auf die tiefblaue Elbe, bevor ich als Marathonsiegerin nach 3:22:50 h (Streckenrekord!!!) vom jubelnden Publikum im Tangermünder Hafen empfangen wurde. 

 

Ich gebe zu, dass dies einer der schönsten Momente in meinem Läuferleben war, und ich einen dicken Kloß herunter schlucken musste.

 

Und in Tangermünde war ich gewiss nicht zum letzten Mal - denn als "Siegprämie" winkte ein Gutschein über einen Kurzurlaub in der Altmark!