Heiligenrode – Bloß nicht Letzte werden!

 

Nach zwei kilometerstarken Wochen –Vorbereitung auf den nächsten Marathon- ist nun wieder Tempotraining angesagt. Und wo ist dies besser möglich als auf der Bahn?

Der Lauf über 10.000 Meter in Heiligenrode kam mir daher wie gerufen. Dass keine Bestzeit dabei herauskommen würde, das war klar – dafür steckten mir die knapp 130 gelaufenen Kilometer der Vorwoche noch zu sehr in den Knochen.

Und ehrlich gesagt war meine Motivation bei dem Ausblick, 25 Runden im Oval zu laufen, auch nicht überragend.

 

Die ersten Runden sind mental natürlich ein wenig...  quälend. Der Gedanke daran, noch 24, noch 23, noch 22, noch Xmal an den Rundenzählern vorbeilaufen zu müssen, kann schon hart sein, wenn man mal darüber nachdenkt. 25 – die Zahl scheint unendlich zu sein.

Aber irgendwann kehrt sich dies in Faszination um. Zumindest bei mir. Faszination daran, dass ich in der Lage bin, das Umfeld –die Zuschauer, die Eintönigkeit der Umgebung- komplett auszublenden. Mich ausschließlich auf Laufrhythmus, Tempo und Schrittfrequenz zu konzentrieren.  Mit dem Tempo und dem Bewegungsablauf spielen zu können, ohne durch Steigungen oder ein Landschaftsbild abgelenkt zu sein. DAS ist für mich der Reiz des Bahnlaufes.

 

 

Die Beteiligung am Lauf war zum Leidwesen des austragenden Vereins ungewohnt gering, was mir jedoch sehr recht war, da somit kein Gedränge auf der Bahn herrschte und ich ungehindert mein eigenes Tempo laufen konnte.

 

Schon bald nach dem Start kristallisierten sich kleine Gruppen heraus – ich lief mit zwei männlichen Läufern im hinteren Drittel und fand mich schon nach kurzem mit der folgenden Tatsache konfrontiert: „ICH BIN LETZTE!!!!“!

Auch, wenn es mir in diesem reinen Männerfeld nicht um die Platzierung ging – als Letzte wollte ich doch nicht im Ziel einlaufen.

 

Lange Zeit sah es jedoch so aus, als wenn mir diese zweifelhafte Ehre zuteil kommen würde: Die beiden Herren aus meiner „Minigruppe“ lagen bald vor mir, der Abstand vergrößerte sich langsam aber stetig…

Immerhin war es ein Trost, dass ich die 5.000-Meter-Marke nach 20:45 Minuten passierte und somit schneller war als vor wenigen Wochen bei dem für mich unbefriedigenden Lauf in Borken.

 

Bis zur 23. Runde lief ich auf dem letzten Platz, und es schien so zu bleiben.

Doch dann begann mein „Mantra“ zu wirken! Im Kopf hatte ich nur den Gedanken „Nicht Letzte sein… ich will nicht Letzte sein….“.

 

Ich nutzte die Gelegenheit, als mich ein schnellerer Läufer überrundete, und passte meine Schrittfrequenz der seinen an. Das ging überraschend gut!

 

Auf den letzten beiden Runden konnte ich noch erstaunlich an Tempo zulegen und fühlte mich dabei gar nicht mal so übel – ehrlich gesagt sogar ziemlich frisch und zackig.

Ich konnte mich auf den drittletzten Platz vorkämpfen und überquerte die Ziellinie nach 41:56,1 Minuten. Kreisrekord in meiner AK W35!

 

Endlich konnte ich tief durchatmen: Ich war nicht Letzte!!!