Marathon-"Comeback" in Braunschweig

Nachdem in der ersten Jahreshälfte gesundheitsbedingt an ein Marathontraining nicht zu denken war, hatte ich mich innerlich ein wenig von diesem Wettbewerb distanziert, und es stand für mich in den Sternen, ob ich mich überhaupt noch einmal auf die 42,195-Kilometer-Strecke begeben würde.

Dummerweise hatte ich mich schon im Januar für den Marathon in Braunschweig angemeldet. 

 

Natürlich habe ich mich in den letzten Wochen auf die "Königsdisziplin" des Laufens vorbereitet, aber im Hinterkopf hatte ich stets die Option, mich auf die halbe Strecke umzumelden. Ausschlaggebend für den Start war ein versehentlich zu lang geratener Trainingslauf: Weil ich mich in der Urlaubsregion nicht ausreichend auskannte, mutierte der dort angesetzte lange Trainingslauf zu einem Überdistanzlauf von 44 Kilometern Länge. Und wenn ich den hinbekommen habe, dann dürfte doch der Marathon kein Problem sein....

 

Und so befand ich mich am 26. Oktober am Start des Braunschweig-Marathons. 

Innerlich hatte ich mich in den Tagen zuvor so wenig mit dem Lauf auseinander gesetzt wie nie. Ich wollte einfach nur laufen und dabei Spaß haben - ohne Blick auf die Uhr, ohne selbstaufgebauten Druck, weil die avisierte Pace doch nicht passt. 

 

Der Zwei-Runden-Kurs war gut zu laufen. Ein wenig wellig, größtenteils ruhig und ohne Zuschauermassen, die man sonst bei Stadtläufen gewohnt ist. Parks, Wälder, um einen See herum und dann ein wenig durch die Innenstadt, in der das Leben tobte - eine abwechselungsreiche, leicht wellige Strecke. 

 

Direkt nach dem Start setzte sich eine Läuferin forsch an die Spitze und rannte davon... schon nach kurzem war sie nicht mehr im Blickfeld. An einen Sieg war somit nicht mehr zu denken - meinte ich. 

Doch ein Marathon entscheidet sich bekanntlich nicht am Start.

Nach ca. einem Viertel der Strecke hatte ich die flotte Läuferin eingeholt und musste mir überlegen, mit welcher Taktik ich ihr begegnen wollte. Dranhängen und schauen, wer den längeren Atem hat? Oder flott überholen und abwarten, welche Reserven noch vorhanden sind? 

 

Ich entschied mich für letzteres und zog souverän an ihr vorbei, stets damit rechnend, dass sie Kräfte mobilisieren und mich in Kürze wieder eingeholt haben würde. Doch dem war nicht so. Kein Angriff. Weder von ihr, noch von einer anderen Läuferin.

So konnte ich in Ruhe "mein Ding laufen", begleitet vom Führungsfahrrad für die erste Dame. Abgesehen davon, dass die Oberschenkel mir nach 40 Kilometern ein heftiges Spannungsgefühl signalisierten, war der Marathon wirklich ruhig und entspannt.

Damit war es jedoch zu Ende, als ich auf die Zielgerade einbog: Von einer Sambagruppe angeheizt, empfingen mich dort die Zuschauer mit einem grandiosen Applaus und feierten mich als Marathonsiegerin. Ein grandioses Gefühl, welches ich voll und ganz ausgekostet habe. Ich als Siegerin eines Stadtmarathons!

 

Mit meiner Zeit von 3:24:06 h kann ich mich zwar in keine Rekordliste eintragen, aber der Spaß ist wieder mitgelaufen. Aber ob ich mich auf Dauer wieder mit dieser Distanz anfreunde, das steht in den Sternen....