Montée du Grand Ballon: Kein Gipfel in Sicht....

Die Reise nach Frankreich war gebucht, und es fehlte nur noch der dazu passende Lauf.

Dieser war schnell gefunden: Am 12. Juni fand der "Montée du Grand Ballon" statt, ein Berglauf über 9 Kilometer und 822 Höhenmeter, zugleich französische Berglaufmeisterschaft und erster Wertungslauf des Berglauf-Weltcups.

 

Am Vortag des Laufes erreichten wir "unseren" Urlaubsort am Fuße des Grand Ballon (Großer Belchen), dem höchsten Berg der Vogesen, und immer wieder ging mein Blick nach oben: Nein, in dem Nebel konnte ich den Berg, den ich erlaufen wollte, nicht erkennen. Schade, denn ich hätte mir gern eine Vorstellung davon gemacht, aber vielleicht war es auch besser so, nicht zu sehen, was mich erwartet. Vielleicht wäre ich dann sogar nervös geworden - Bergtraining hatte ich zuletzt nicht absolviert, so dass meine Erwartungshaltung relativ gering war.

 

Auch am Tag des Laufes war der Berg nicht zu sehen; immerhin hörte kurz vor dem Start der Regen auf. 

Los ging es in der 300-Seelen-Gemeinde Goldbach; an diesem Tag waren weitaus mehr Läufer als Einwohner dort unterwegs. Ein wenig deplatziert fühlte ich mich schon unter all den drahtigen "Bergziegen", die sich im Kampf um den Meistertitel an der Startlinie drängten und nach dem Startschuss bergauf sprinteten... 

Die ersten drei Kilometer waren für mich die schwersten: Ich war nach kurzer Zeit außer Puste und hatte schwere Beine, und selbst auf den kurzen, steilen Bergabpassagen schien mich alles zu überholen, was nur irgendwie laufen konnte.

Dann wendete sich das Blatt, und mein verhaltener Start begann sich auszuzahlen. Die Frische war wieder da, und ich konnte mühelos eine Läuferin nach der anderen einsammeln und hinter mir lassen.

 

Die Strecke war toll - breite Waldwege wechselten mit schmalen Singletrails ab, kleine Bäche ergossen sich über der Laufstrecke - nur vom Grand Ballon war immer noch nichts zu sehen. Auf den letzten Kilometern war der Nebel so dicht, dass keine Vorderfrau zu sehen war, und der weitere Verlauf der Strecke nur durch die Geräuschkulisse der Zuschauer zu erahnen war. 

 

Der letzte Abschnitt wurde wirklich alpin: steile Bergpfade, mit Geröll übersäht, und zum Nebel gesellte sich ein eisiger Wind - aber gerade dies machte am meisten Spaß, hier war ich in meinem Element!

Plötzlich tauchte das Ziel vor mir auf - aufgrund des Nebels recht überraschend. Nach 1:06 h hatte ich die 822 Höhenmeter überwunden und den Grand Ballon bezwungen, ohne ihn wirklich gesehen zu haben. Meine Platzierung war wie erwartet: Vorderes Mittelfeld. In Anbetracht der starken, internationalen Konkurrenz war das ganz in Ordnung.

 

Leider habe ich den Gipfel des Grand Ballon immer noch nicht richtig gesehen. Vielleicht tut er mir morgen den Gefallen, den Nebelmantel abzulegen.