Sachsentrail im Erzgebirge

Vor einem Jahr stand ich hier im Sportpark Rabenberg im Erzgebirge schon mal am Start - musste den Lauf aber leider nach fünf Kilometern verletzungsbedingt abbrechen.
„Damals“ habe ich mich sofort für den Lauf im Jahr 2019 angemeldet - ich wollte das Ding zu Ende bringen! Und heute war der große Tag für den zweiten Versuch.

Mit gemischten Gefühlen stand ich am Start. Einerseits waren da die große Vorfreude auf den Lauf, die übliche Aufregung und natürlich auch Anspannung, die einen vor jedem Wettkampf befällt. Aber es waren auch Erinnerungen an meine Enttäuschung im letzten Jahr, kurze Flashbacks an mein Erleben des DNF (Did not Finish).

Beim Briefing kurz vor dem Start wurden wir auf die wichtigsten Dinge beim Lauf vorbereitet, und dann ging es los, los auf den „Half-Trail“. 35 Kilometer und über 900 Höhenmeter schmale Pfade, steile Anstiege, Wurzelstiege, Mountainbiketrails und jede Menge Wald lagen vor mir.

Die Strecke gestaltete sich von Anfang an als technisch sehr anspruchsvoll, und gerade auf den Downhillpassagen lohnte es sich, einen Gang zurück zu schalten und die Füße mit Bedacht zu setzen. Die Bergwacht hatte dennoch genug zu tun und wurde häufig zu Einsätzen gerufen.
Auch ich verlor mehrfach das Gleichgewicht, blieb an einer Wurzel hängen und konnte nur noch im letzten Moment einen Sturz verhindern. So war fast permanent hohe Konzentration gefragt, und es blieben kaum Momente, in denen man seinen Blick in die Ferne schweifen lassen konnte.
Zudem galt es regelmäßig, wichtige Entscheidungen zu treffen: Soll ich lieber unter dem umliegenden Baum herkriechen, oder ist Klettern angesagt? Durch den Bach marschieren oder drüber hinwegspringen?

Abschnitte, an denen es mal laufen lassen konnte, gab es aufgrund des schwierigen, steinigen und wurzeligen Untergrundes kaum, und so zog sich der Lauf in die Länge. Bei noch keiner Laufveranstaltung habe ich so viele Streckenabschnitte gehend, und nicht laufend, bewältigt.

Nach 3:57:39 h war es soweit: Endlich wurde mir die ersehnte Finishermedaille umgehängt, dankbar, und der Frust des Vorjahres war endgültig vergessen.
Mit Platz 6 in der Damenwertung und dem zweiten Altersklassenplatz habe ich auch gar nicht mal schlecht abgeschnitten.

Rainer lief ebenfalls auf den Silberrang in seiner Altersklasse M55; er absolvierte den „Quatertrail“ über 19 KM und 490 Höhenmeter; die 35er Strecke kannte er ja bereits aus dem Vorjahr.