Trainingscamp am Großglockner Teil 1


Nun sind wir bereits den dritten Tag in Kals am Großglockner und sind mitten in der „ganz besonderen Challenge“, die wir uns für diesen Urlaub ausgesucht haben.
Dieses Mal ist es kein Wettkampf - höchstens ein Wettkampf mit sich selbst, sondern eine Art Trainingscamp in den Bergen.


Der Verein run2gether hat es sich zur Aufgabe gemacht, kenianische Läufer zu unterstützen: Die Kenianer verbringen jährlich mehrere Monate am Großglockner, absolvieren hier ihr Training, reisen wochenends zu Wettkämpfen und rennen um Preisgelder - und bieten die Möglichkeit, als Gast mit dabei zu sein.

Über 20 kenianische Athleten sind hier - Zeiten unter 29 Minuten (auf 10 KM) oder Marathonerfolge unter 2:10 h sind keine Seltenheit.


Den Tag verbringen wir möglichst kenianisch - die Konversation verläuft auf Englisch und wird immer mehr gespickt von einigen Worten auf Suaheli - so ist ein Sprachkurs gleich mit dabei. Auch die kenianische Küche lernen wir kennen (und auch schätzen) - so sind in dieser Woche Kaffee, natürlich auch Alkohol und industriell hergestellte Nahrungsmittel tabu. Anstattdessen finden wir Ugali (eine Art Maisbrei) und verschiedenes proteinhaltiges Gemüse auf unseren Tellern.


Unsere für gestern geplante Laufeinheit musste leider wetterbedingt verschoben werden - so standen „nur“ kenianisches Lauf-ABC sowie Krafttraining auf dem Programm. Zum Teil vollkommen neue, sehr abwechselungsreiche Übungen, von denen wir bestimmt einiges mit nach Hause nehmen können.


Was gestern am Laufen gefehlt hat, wurde heute nachgeholt, denn es gab gleich drei Laufeinheiten. Direkt nach Sonnenaufgang wurde mit einem Morgenlauf gestartet, und nach dem Frühstück gab es die erste Tempoeinheit: ein Fahrtspiel auf einem abwechslungsreichen Kurs mit herrlichem Blick auf den Großglockner (für den wir bei der Anstrengung leider gar kein Auge hatten).

Jeder Gast wird hier individuell von einem kenianischen Läufer betreut, der darauf achtet, dass man sich die Kräfte gut einteilt, nicht an die Grenzen geht, sich jedoch auch fordert.

Laufeinheit Nr. 3 des heutigen Tages fand in 2.400 Metern Höhe statt. Bei einem gemütlichen Traillauf konnten wir nun das herrliche Alpenpanorama genießen und die Effekte der Höhenlage für uns nutzen.

Dafür, dass wir auch bergab nicht zu schnell wurden, sorgten die Betreuer: „Do not push.... slowly....“

Nein, schnell wollten wir heute auch wirklich nicht mehr.... dafür sorgten schon die Höhenluft sowie das Tempotraining in den Beinen....



Trainingscamp am Großglockner - Teil 2


Heute ging es hoch hinaus, bis auf 2.600 Meter Höhe. Mit Bus und Seilbahn fuhren wir zum „Enzigerboden“ am Weisssee-Gletscher im Salzburger Land, und zurück mussten uns die eigenen Beine tragen.

Dieser Traillauf über 17 Kilometer bot uns phantastische Aussichten auf die umliegenden Berge, auf Gletscherseen und schneebedeckte Gipfel - sofern man überhaupt einen Blick dafür erübrigen konnte, denn die Strecke beinhaltete sehr anspruchsvolle Downhillpassagen, bei denen die volle Konzentration erforderlich war.

Begleitet von unseren zuverlässigen Laufcoaches Kiarie (Halbmarathonbestzeit: 68 Minuten) und Jane (Bestzeit auf 5 KM: 16:27 Minuten) erreichten wir sicher und freudestrahlend unser Ziel in Kals am Großglockner.

Zum Auflockern der Beine stand im Anschluss eine kurze Wanderung auf dem Programm....


Der nächste Tag beinhaltete wieder drei Laufeinheiten - ohne würde uns auch etwas fehlen.

Nach Sonnenaufgang ging es los zu einem kurzen Bergtraillauf in der Umgebung von Kals. Highlight und psychische Herausforderung war für manche gewiss das Laufen über eine wippende Hängebrücke zwecks Überquerung eines Gewässers.

Die körperliche Herausforderung kam später bei Laufeinheit Nr. 2, sogenannt „Hillwork“: Auf einem serpentinenartigen Anstieg wurde ein zwar kurzes, aber heftiges Intervalltraining absolviert, bei dem uns unser Coach zu Höchstleistungen motivierte, in den Ruhephasen aber auf langsames und kontrolliertes Laufen achtete. Ich wurde dieses Mal begleitet von John, einem jungen Läufer, dessen Bestzeit über 5 Kilometer bei 15:06 Minuten liegt. Nicht nur als Läufer ist er erstklassig, sondern auch als Motivator eine Koryphäe.

Nach diesem schweißtreibenden Training war der Dorfbrunnen ein beliebtes Ziel, und ein Läufer nach dem anderen kühlte sich dort in nahezu voller Montur ab.

Dass auch ein Training im Wasser schweißtreibend sein kann, erfuhren wir dann bei Laufeinheit Nr. 3 des heutigen Tages, Aqua-Jogging....



Trainingscamp am Großglockner Teil 3


Unsere Höhenlaufwoche am Großglockner nähert sich ihrem Ende, und im Camp wird es ruhig.

Einige kenianische Athleten sind bereits auf dem Weg zu den nächsten Wettkämpfen, die am kommenden Wochenende anstehen. Laufveranstaltungen in Österreich, der Alsterlauf in Hamburg sowie der Jungfrau-Marathon sind das Ziel einiger Kenianer. Für sie ist es die letzte Chance in dieser Saison, noch ein Preisgeld zu erlaufen, denn in der kommenden Woche fliegen die meisten von ihnen in die Heimat zurück.


Auch wir waren heute auf Wettkampf eingestimmt, denn es stand die run2gether-Challenge auf dem Programm, ein interner Wettkampf über 4,6 Kilometer auf welligem Rundkurs, bei dem jeder Gastläufer von einem kenianischen Pacemaker begleitet wurde.


Begleitet von meiner Pacemakerin Jane setzte ich mich beim Frauenlauf gleich an die Spitze. Jane leistete gute Arbeit und motivierte mich mit „You can make it“, „Be hard“ oder „Good Pace“, während ich von hinten die Pacemaker der übrigen Läuferinnen hörte. So war ich die Gejagte....

... konnte die Position jedoch bis zum Schluss halten und gewann die Challenge in 21:34 Minuten.


Rainer traf beim Männerlauf auf starke Konkurrenz und platzierte sich im Mittelfeld. Seine Zeit: 20:50 Minuten.

Zum Abschluss folgt noch eine kurze Wanderung, bevor wir mit etwas schwerem Herzen „Kwa heri“ (Tschüß) sagen werden.